Der erste Tag

Der erste Tag im neuem Leben beginnt – sehr früh. Dank Jetlag öffne ich das erstmal gegen 5 die Augen. Da liegen wir nun, in einem fremden Bett, einer fremden Wohnung und einer fremden Stadt. Es fühlt sich an, als ist man im Urlaub und kehrt bald wieder zurück in das vertraute Heim. Diesmal wird das anders sein, denn wir werden nicht so schnell zurück kehren. Aber das Fremde wird ganz allmählich vertraut werden. Die Straßen, die Häuser, die Gerüche, all das wird irgendwann ganz normal sein. Ich ziehe mir die Decke etwas höher, denn die Luft der Klimaanlage fühlt sich kalt an. Das Fenster geht nicht richtig zu und man nimmt das anhaltende Rauschen der Stadt, das Brummen der riesigen Klimaanlagen auf den Dächern deutlich war. Hin und wieder ertönen die Siren der Rettungsfahrzeuge. Es erinnert mich sehr an meine ersten Nächte in New York, vor vielen Jahren. Dazu muss ich sagen, dass sich unsere temporäre Unterkunft in China Town befindet und nicht gerade zu den ruhigen und grünen Teilen der Stadt gehört.

Nach ein paar weiteren Stunden Schlaf stehen wir schließlich auf. Die Stadt ruft. Eine schnelle Dusche noch und los geht es auf dem Fahrrad zu einem uns bereits bekannten Frühstückslokal namens Friendly Toast. Das Friendly Toast liegt in Cambridge und ist sehr beliebt. Ohne Reservierung kann man dort auch gerne mal 40 Minuten auf einen Tisch warten. Die Wartezeit nehmen die meisten jedoch gerne in Kauf. Wir treffen Mo und Flo und genießen unser erstes amerikanisches Frühstück mit Omelette und Waffeln.

Gestärkt geht es mit dem Rad weiter durch Cambridge um im Loyal Nine Café in den Genuss von kaltgebrühten Kaffee zu kommen. Bei kaltgebrühten Kaffee werden die Bohnen viele Stunden im Wasser eingeweicht und dann durch einen Kaffeefilter gegossen. Der Kaffee kann dann zum Beispiel auf Eis serviert werden und schmeckt im Vergleich zu herkömmlichen Kaffee weniger bitter. Wir verweilen dort ein paar Stunden um der Wohnungsrecherche und anderen ToDos nachzugehen.

Wir sind sehr froh das wir die Fahrräder mitgenommen haben. Sofort mobil zu sein und sich nicht mit den öffentlich Verkehrsmitteln auseinander setzten zu müssen hat seine Vorteile. Mit dem Rad kann es in Boston ganz schön abenteuerlich werden. Viele Fahrspuren, Einbahnstraßen und der fehlende Überblick  stellen schon die ein oder andere Herausforderung dar. Sobald man sich in Richtung Cambridge bewegt wird das Fahren angenehmer. Sogar Fahrradwege existieren dort. Im Großen und Ganzen fährt es sich aber besser als erwartet. Die Autofahrer sind eher entspannt und vorsichtig und die Straßen breit genug, dass alle Verkehrsteilnehmer Platz haben.

Als wir wieder in die Wohnung zurückkehren wartet schon eine neue Herausforderung auf uns: Wir bleiben samt Räder im Fahrstuhl stecken! Uns bleibt nix anderes übrig als die Notrufnummer zu wählen. Der Schweiß (vom Radeln) fließt an uns herunter und es ist alles andere als angenehm auf unsere Rettung zu warten. Nach 20 Minuten setzt sich der Fahrstuhl wieder in Bewegung und die Cambridge Feuerwehr erwartet uns.